Wir müssen weg von der Amtskirche und hin zu kleinen Religionsgemeinschaften

Bremerhaven. Nach langem hin und her bin ich Mitglied einer kleinen katholischen Gemeinschaft geworden und das finde ich gut so. Meine Erfahrungen mit der römischen Amtskirche waren zwar primär gut, dennoch konnte sie meine Bedürfnisse nicht befriedigen. Und hier sind wir schon am wichtigsten Punkt angekommen: Die großen Kirchen erreichen ihre Mitglieder nicht mehr. Zum einen liegt dies an der gegenseitigen Entfremdung (die Menschen entwickeln sich weiter und die alten Kirchen stehen fest oder bewegen sich nur sehr langsam) und zum anderen haben sich durch Information, Wissenschaft und neue Medien die Bedürfnisse der Gläubigen verändert.

In den USA gibt es interessante Entwicklungen bei christlichen aber auch jüdischen Gemeinden. So entwickeln sich Gemeinden die speziell auf die Bedürfnisse der Gläubigen zugeschnitten sind. So gibt es z.B. spezielle jüdische Gemeinden nur für Schwule, Lesben oder Transgender. Ähnliches im christlichen Bereich. Dies bedeutet das sich Menschen nicht mehr ausgeschlossen fühlen müssen und ihren Glauben offen praktizieren können. Haben wir in Deutschland als LGBT-Menschen noch immer das Problem ausgestoßen zu sein, dies betrifft nicht nur die römische Kirche – nein auch die evangelischen Kirchen leisten Ihren Beitrag zu Diskriminierung und Ausgrenzung, so haben die Menschen in den Staaten ein ganz anderes Bewusstsein entwickelt was ihren Glauben betrifft. 

Die Probleme in Europa liegen meiner Meinung nach im unsäglichen Gehorsam gegenüber Obrigkeiten, dem Bürokratiewahn und lähmender Unterwerfung gegenüber Würdenträgern. Genau dies treibt die Menschen auch weg von den Kirchen. Anstatt, dass das Kirchenvolk mal aufsteht und in Besitz nimmt was ihm gehört, nämlich Kirchen und Gebetsräume, werden diese den wenigen überlassen die Sonntags an einer Hand abzuzählen sind und den kümmerlichen Rest von Kirchenvolk ausmachen. Der große Teil wendet sich ab, hat resigniert und tritt aus den Kirchen aus.

Gerade deswegen brauchen wir kleine Religionsgemeinschaften, die sich jener annehmen die verloren sind und eine Heimat im Glauben brauchen. 

Nun gibt es ja genug Priester die außerhalb von Kirchen unterwegs sind, sogenannte Vaganten. Doch diese haben zwar den guten Willen, jedoch nicht die Möglichkeiten etwas zu bewegen. Leider oft auch nicht die Ausbildung dafür. Diese gehören ebenfalls aufgefangen, organisiert und falls notwendig gut ausgebildet. Denn oft steckt hier gutes Potential das genutzt werden will. Außerdem kann man durch Organisation, Eingliederung und Ausbildung das Stigma des Ausgestoßenseins entfernen und gute Seelsorger für genau jene Menschen heranziehen die sich von den Amtskirchen enttäuscht fühlen. Ebenfalls verlieren die Amtskirchen ihre Angriffsfläche gegenüber jenen, die ohne Führung unterwegs sind – was wiederum Schutz denen gewährt die berufen aber nicht gewollt sind.

Durch die Bildung kleiner Kirchen und Glaubensgemeinschaften können aber nicht nur jene gebunden werden die ohne Führung sind, auch die Gläubigen finden leichter Ansprache und Seelsorger die genau auf sie zugeschnitten sind. Somit kann verhindert werden das sich diese Menschen Sekten oder esoterischen Strömungen anschließen und es ist gewährleistet das gut ausgebildete Seelsorger sich ihnen und ihren Sorgen und Problemen annehmen. 

Auch wenn es viele kleine Glaubensgemeinschaften sind, so ist es immer die eine Kirche Christi. Ein jeder Kleriker, Priester und Bischof in der Nachfolge Petri. Immer wird dann gewährleistet das die Menschen hin zu Gott geleitet und nicht von den Kirchen weggeführt werden. Um den Glauben zu erhalten, ja sogar zu mehren müssen wir weg von der absoluten Monarchie der römischen aber auch orthodoxen Kirchen, weg von den Amtsstubenkirchen der lutherischen und evangelischen Strömungen (welche genaugenommen übrigens auch aus dem Vagantentum entstanden sind) hin zu kleinen, gut organisierten und schon fast urchristlichem Gemeinschaften. Bischöfe, Priester und Kleriker die im Leben stehen, gut ausgebildet sind, von Beruf und Familie Ahnung haben aber auch mal das Leid von Arbeitslosigkeit oder Beziehungsproblemen kennen. Kleine Glaubensgemeinschaften haben die Aufgabe jene aufzufangen die in den überalterten Kirchen keinen Halt mehr finden, Perspektiven zu bieten wo Berufung vorhanden aber nie gefördert wurde und jenen Raum zu geben die gute Seelsorger wären aber keine Gemeinde haben. 

Die unabhängig-katholische Kirche kann so ein Raum sein. Unsere Geistlichen haben allesamt eine gute Ausbildung, fundiertes theologisches Wissen und die Struktur ist zeitgemäß. Dieses Wissen kann, bei Bereitschaft zu Ausbildung/Studium und Prüfung, auch jenen weitergegeben werden die auf der Suche sind oder die Berufung zum geistlichen Dienst verspüren. Unsere vornehmste Aufgabe ist es jedoch Seelsorger für jene zu sein die eine katholische Heimat suchen die zwar traditionell jedoch auch modern ist. Da wir nicht von Kirchensteuern finanziert werden, sondern ein jeder unserer Kleriker selbst für seinen Lebensunterhalt aufkommt (ja selbst der Bischof), können wir Gelder nicht veruntreuen oder verzocken (wie aktuell das Bistum Eichstätt 50 Mio. Euro). Wir kommen selbst für Paramente, Ausstattung und Unterhalt auf. Auch dies ein wichtiger Punkt, wenn man jene verstehen will für die man Seelsorge betreibt.

Ein Punkt, warum ich die Vaganten angesprochen habe, ist der das gewisse uninformierte Journalisten in der Vergangenheit falsch und auch stark verleumderisch über kleine Religionsgemeinschaften berichtet haben. Es steht jedem gläubigen Christen frei eine Kirche zu gründen (und würde jeder eine gründen der dazu berufen ist, wäre unsere Welt sicher etwas besser und bunter). Als Vaganten werden jedoch zurecht jene bezeichnet die Weihen zum Priester sammeln wie andere Briefmarken, ihr eigenes Ego befriedigen wollen durch Titel (ohne Mittel) oder die ihre Stellung verwenden um andere zu betrügen. Leider verwechseln manche Schreiberlinge Freikirchen (die es sowohl im katholischen wie evangelischen Sektor gibt) mit jenen Menschen. In den Staaten (USA) sind Freikirchen üblich und verbreitetet als bei uns. Sollten sich Wanderpriester entschließen Teil einer Gemeinschaft zu werden, so werden diese sicher aufgenommen sofern sie über ein Studium verfügen oder dieses absolvieren wollen – sicher auch bei den großen Amtskirchen. 

Die unabhängig-katholische Kirche feiert dieses Jahr ihr 25 jähriges Jubiläum. Wir feiern dies als Meilenstein in der Geschichte der Kirchen der zeigt das Kirche offen sein kann für alle Menschen die guten Willens, ehrlichen Glaubens und wahrhaft Gott-suchend sind. Wir sind für alle da die eine christlich-katholische Heimat suchen aber in den großen Kirchen keine Heimat finden. Ein jeder unserer Geistlichen hat immer ein offenes Ohr und unsere Herzen sind weit. Wir sind Kirche – offen, ehrlich und christlich. 

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