Die fehlende Demut

Bremerhaven. Demut ist ein Wort das sehr viele Menschen ungern hören. Bedeutet es doch „die Bereitschaft etwas als gegeben hinzunehmen, nicht darüber zu klagen und sich selbst als unwichtig zu ertragen“ (Quelle Wikipedia). Etwas hinnehmen, mit einer Situation zufrieden zu sein und sich selbst mal zurücknehmen – Das können und wollen viele Menschen nicht. 

Die Medien gaukeln es uns eine Welt vor in der alles glänzt und leuchtet. Die Menschen in der Werbung haben meist ein großes Haus, tolle Jobs und fahren dicke Autos. Und die Realität? Die sieht anders aus. Wir haben unsere kleinen Wohnungen, Designermöbel Fehlanzeige, gehen für wenig Geld arbeiten und statt Auto fahren wir mit dem Bus. Aber auch damit kann man zufrieden sein, denn wir können es nicht ändern und gerade der kleine Arbeiter und Angestellte ist um Längen wertvoller als der mächtige Firmenboss – denn ohne den Menschen in Fabriken und Geschäften wäre diese unbedeutend.

Ich will feststellen, im normalen Leben sind die meisten Menschen zufrieden und zumeist nicht unglücklich auf ihrem Platz.

In den Kirchen sieht dies oft anders aus. Und ich durfte es oft genug erleben. Gerade die Diener Gottes, die Priester, sind hier ein machtbeflissenes und eifriges Völkchen wenn es darum geht die sich um die besten Posten zu bemühen. Oft noch nicht mal zum Priester geweiht, eben noch in der Sakristei die Diakonstola abgelegt (welche man sowieso nur ein halbes Jahr trägt), schon wird davon gesprochen welche Kariere man einschlagen muss um Monsigniore, Prälat, geistlicher Rat, Domkapitular oder sogar Bischof zu werden. Ja manche fantasieren bis hin zum Kurienkardinal und selbst der Thron des Papstes schwebt ihnen vor. In den Klöstern überlegen die Novizen und Anwärter oft schon wie man am schnellsten Abt, Prior, Superior oder Provinzial wird. Und geht es ihnen dann nicht schnell genug wechselt man eben die Gemeinschaft. Selbst vor Intrigen und Rufmord wird nicht zurückgeschreckt.

Natürlich gibt es die einfachen, guten Priester und Ordensleute. Jene die in Demut vor Gott ihren Dienst versehen, dem Bischof die Treue halten und mit ihrem Platz zufrieden sind. Sie wissen und glauben, dass es der Allmächtige ist der ihnen ihren Platz im Leben zugewiesen hat. Mit dieser Aufgabe sind sie glücklich und oft hervorragende Seelsorger. Jene die sich um das Kirchenvolk bemühen und somit oft zu den in Kirchengemeinden beliebten Priestern gehören. Und siehe da, ihr Einsatz und ihr Eifer für das Werk Gottes bleibt zumeist nicht ungesehen. Diese sind es die dann oft von den Hirten, den Bischöfen, auserkoren werden zu neuen und oft verantwortungsvollen Aufgaben, denn sie haben sich selbst als unwichtig und das Gesamte als wichtig erachtet.

Hier Lobe ich mir die guten Ordensfrauen: Diese gehen oft aus ehrlicher Berufung ins Kloster um Christus als seine Braut zu dienen. Tag für Tag versehen sie ihre Arbeit, ohne murren und knurren, beten zusammen und singen das Lob Gottes. Leider ist dies natürlich auch der Tatsache geschuldet, dass es zumindest in der römischen aber auch in der orthodoxen Kirche sowieso keine Karriere für Frauen gibt (an und für sich eine Schande unserer Schwesterkirchen).  Dies obwohl die Frau von Gott sowieso vor dem Mann erwählt worden war, denn Gott hätte nicht den Weg der Geburt gehen müssen um Mensch zu werden. Er erwählte eine Frau die ohne Zutun eines Mannes schwanger wurde, durch ihren Glauben und ihre Demut kam erst das Heilsgeschehen in Gang. 

Dann ist da oft das Volk in den Kirchengemeinden. Wie wichtig sind die ganzen Kirchengemeinderäte, Lektoren und Kommunionhelfer – ohne Sie könnte so manches nicht bewältigt werden. Doch wie wichtig nehmen sie sich? Sonntags besetzen diese Granden der Gemeinden die vordersten Bänke, wollen als erste die Kommunion empfangen und nach dem Gottesdienst umringen sie den Pfarrer – der einfache Gläubige kommt nicht ran an ihn zum Gespräch. Kaum gewählt ist es vorbei mit der Demut, dann ist man in der Gemeindeleitung und gar wichtig. Nun zumeist ist dies auch die höchste Position, die ein einfaches Kirchenmitglied erreicht. 

Sich selbst als unwichtig betrachten kann so wertvoll sein. Wenn wir uns und unser Ego reduzieren auf das was wir sind und nicht immer ausweiten auf das was wir gerne wären, würden wir oft unsere Arbeit viel besser machen. Ja die ganze Welt wäre ein besserer Ort. Herr Dein Wort geschehe, nicht meines ich bin unwichtig, Herr lass mich machen was Du von mir erwartest – es wird schon richtig sein was Du willst. Nichts anderes bedeuten die Worte von Maria als der Engel zu ihr kam. Sie sagte nicht Hey und welch tolle Titel und Posten bekomme ich dann? Nein sie war demütig und nahm an was der Herr von ihr forderte. Und was wurde aus ihr? Sie wurde die Mutter Jesu und zum Schluss wurde sie sogar mit dem Leib in den Himmel aufgenommen um bei ihrem Sohn zu sein.

Für die Geistlichen bedeutet Demut vor Allem eines: Jesus und den Gläubigen zu dienen, nicht nach Macht zu streben. Jeder Priester und Bischof ist zuvorderst Diakon. Mit der Priester- und Bischofsweihe wird diese ja nicht aufgehoben. Diakon zu sein bedeutet Diener zu sein, einen Dienst in Demut für die Gemeinde zu verrichten. Man kann nicht Priester oder Bischof werden ohne zum Diakon geweiht worden zu sein. Und die Anforderung der Urkirche „von gutem Ruf, erfüllt vom Geist und der Weisheit“ zu sein ist hier wohl Aussage genug. Jeder Kleriker, angefangen bei den niederen Weihen bis hin zu Diakon und Priester, legt einen Treueeid gegenüber dem Bischof ab. Jede Ordensfrau und jeder Ordensmann leg Gelübde ab. Sowohl Gelübde wie auch Treueeid besagen eines: Einen guten Dienst zu verrichten, einen Dienst für die Menschen und die eine heilige und apostolische Kirche. Nicht strebe nach Höherem und versuche möglichst gute Posten zu erreichen.

Berufung bedeutet das Gott mich gerufen hat. Diese kann nur der von Gott gerufene selbst erkennen. Kein Leiter eines Seminars, Priester einer Heimatgemeinde oder Professor kann sagen der oder die ist berufen. Nur der Berufene selbst kann es erkennen und durch seine Lebensweise und seinen praktizierten Glauben unter Beweis stellen. Wahre Berufung bedeutet auch, dass der von Gott gerufene nicht auf hohe Ämter aus ist oder nach Macht strebt. Es bedeutet er nimmt sich selbst unwichtig und stellt Gott über Alles. Und nur wenn Gott es will und als Teil seines unergründlichen Plans sieht, werden dem Berufenen auch andere Ämter zu teil. Ist es Gottes Plan das der Berufene Zeit seines Lebens als einfacher Bruder die Pflanzen im klösterlichen Garten versorgt, so bedeutet dies das es so sein soll. Soll der Priester sein Leben lang als Seelsorger im Krankenhaus für die Leidenden da sein, so soll es ebenso sein. Soll einer zum Bischof werden und die ganze schwere Last tragen die solch eine Verantwortung mit sich bringt, dann soll es so sein und er ist wahrhaft nicht zu beneiden. Er hat das wohl härteste Los gezogen. 

Und das Kirchenvolk? Durch Taufe und Firmung seid Ihr Teil des Priestertums. Was wollt Ihr mehr? Christus hat Euch erwählt. Er hat Euch erwählt an seinem Heilswerk teilzuhaben und in der Welt zu wirken. Die Ämter in der Gemeinde verleihen Euch keine Macht. Sie bitten Euch den Priester in seiner Arbeit zu unterstützen. Ihr müsst nicht mit dicken Pelzmänteln die vorderen Reihen der Kirche belegen. Ihr seid gerufen ihm zu assistieren, nicht Euch zur Schau zu stellen. Lasst nach dem Gottesdienst jene zum Priester, die seinen Rat benötigen. Als ich Ministrant war durfte ich oft genug sehen, wie gerade die Ärmsten der Gemeinde nach dem Gottesdienst den Priester suchten und nicht durchkamen. Sie benötigten Trost und Rat, mussten jedoch abziehen weil die selbsternannten Herren der Gemeinde eine Mauer um ihn bildeten. 

Abschließend: Wenn es Gottes Wille ist, dann erkennt ein guter Chef im Beruf und ein guter Bischof in der Kirche die Begabungen seiner Leute. Man muss sich nicht selbst mit aller Gewalt nach Oben treten. Ein Mensch der seine Arbeit gut macht, egal ob in der Welt oder im geistlichen Amt, hat immer hohes Ansehen. Dies genügt. Mehr braucht es im allgemeinen nicht. Und gerade auch im Berufsleben ist Demut wichtig. Nur ein Mitarbeiter der sich und sein Ego zurückschraubt, kann produktiv sein. Stellt er sich selbst immer vornan, so schadet er zumeist dem Betrieb mehr als er nützt. Selbiges gilt auch für die Kleriker: Ein Kleriker der nur seine Karriere, Titel und Ämter im Auge hat schadet der Gemeinschaft und trägt auch zum Zerfall der Kirchen bei. Gerade dieses Verhalten sorgt immer mehr für leere Kirchen und die Abwanderung der Gläubigen zu den teilweise abstrusesten (auch esoterischen) Gemeinschaften. Der Klerus hat das aktuelle Leiden der Kirchen selbst verschuldet. 

Soweit meine „Fastenpredigt“ – Gott segne Euch auf das Eure Augen und Herzen geöffnet werden!