Meine Erfahrung mit Hartz4

Bremerhaven. Aktuell geistert in den Medien das Gespenst Jens Spahn herum und es wird so getan, als würde er gegen jene Menschen hetzen die in Armut leben. Eigentlich hat er jedoch ausgesprochen was faktisch richtig ist: Mit Hartz4 / ALG 2 ist man theoretisch nicht Arm, des das einfache Leben ist gesichert.

Ich selbst bin in bitterer Armut aufgewachsen und nach einigen Berufsjahren unverschuldet in die Arbeitslosigkeit abgerutscht. Aufgrund eines langen Auslandsaufenthalts, durfte  kein ALG1 beziehen sondern wurde sofort in ALG2 eingestuft. ALG 1 hätte immerhin bedeutet bis zu 24 Monaten 60% meines vorherigen Einkommens zu beziehen – die wären dann 1.440.- netto gewesen. Leider musste ich mich mit ALG2 begnügen. Das heißt in Bremerhaven wären das aktuell 416.- plus Miete von 324.- (in München wären das 657.- Euro) und Heizkosten von ca. 79.- Euro. Insgesamt bekommt man also aktuell in der Seestadt 819.- Euro. Ich wage jetzt zu sagen, das reicht zum Leben für eine Person. Luxus ist logischerweise nicht drin, jedoch ist das auch nicht der Sinn von einer Existenzsicherung. Zum Vergleich: Eine Verkäuferin, welche oft mit nur 100 Stunden im Monat angestellt werden, bekommen bei einem Stundenlohn von 9.50 Brutto 950.-  was Netto einer Auszahlung von 753.- Euro bei Lohnsteuerklasse 1 entspricht. Vollzeit bei 39 Stunden pro Woche und Mindestlohn sind das Brutto 1.337.-  und Netto 1013.- Euro. Das ist also schon bei berufstätigen Menschen nicht viel, dafür jedoch dass man eben keiner Arbeit nachgeht sind 819.- Euro durchaus nicht schlecht. Bei Familien mit Kindern kommt dann noch das Kindergeld hinzu. Mit einem EinEuroJob / mittlerweile ZweiEuroJob bekommt man dann für eine Wochenarbeit von 20 Stunden zusätzlich pro Woche 40.- Euro was im Monat 160.- Euro sind. Die Arbeit ist zumeist leicht und ohne große Anstrengung zu erledigen. Es handelt oft um Tätigkeiten im sozialen Bereich oder in Sozialkaufhäusern. ALG2, Wohn- und Heizkosten und ZweiEuroJob bringen dann also 979.- Euro steuerfrei – zusätzlich darf man von dem Geld einen gewissen Sparbetrag anhäufen. Ausserdem bekommen Hartz4 Bezieher oft kostenfreie Rechtsbeihilfe (die Kosten zahlt der Staat) bei Rechtsstreitigkeiten (auch mit den Jobcentern) – Arbeitnehmer müssen diese Kosten selbst bestreiten. Sprich nur noch 34.- Euro Unterschied zu so mancher Vollzeitkraft die oft geistig und körperlich schwere Arbeit verrichtet.

Wenn man nun mit dem Geld das einem der Staat zur Verfügung steht um die Existenz zu sichern (nicht um Alkohol, Zigaretten oder Luxus zu kaufen) verantwortungsvoll und sparsam umgeht, ist sogar einmal pro Woche Essen gehen in einem günstigen Restaurant möglich. Bei mir war das ein guter aber günstiger Chinese. 

Nein, man ist nicht reich mit Hartz4. Das behauptet auch keiner. Doch man erhält praktisch Geld fürs Nichtstun. Und was mich ärgert ist, dass viele Menschen die Hartz4 beziehen nicht bereit sind auch nur ansatzweise etwas zu tun. Da werden alle möglichen Dinge erfunden nur um keine Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen besuchen zu müssen oder man unternimmt alles um keine vermittelten Stellen antreten zu müssen. Ich habe es oft genug erlebt, dass sich Menschen bei mir bewerben die ungepflegt sind, stinken oder vor den Terminen Alkohol getrunken haben. Bei Gespräch dann wird offen nach dem Stempel gefragt nur um weiter Leistung zu beziehen und nichts arbeiten zu müssen. Das kotzt mich an!

Als ich in der Situation war, Leistung vom Staat zu beziehen, war es mir unangenehm für das Nichtstun zu bekommen. Ich habe mich stets um Aufgaben bemüht. Sei es EinEuroJobs (damals noch 1 Euro pro Stunde) auszuüben oder ehrenamtlich als Kirchenwache und Kirchenführer über die Ehrenamtsagentur zu arbeiten. Es ist auch für mich nicht akzeptabel, dass sich Menschen darüber beschweren zu wenig zu haben, die nicht bereit sind ihre Situation zu verändern oder ansatzweise der Gesellschaft etwas zurückzugeben. Menschen die für das Nichtstun fast soviel Geld erhalten wie andere für gute und ehrliche Arbeit!

Das Schlimme an der Thematik Hartz4 ist, dass Eltern die ALG2 beziehen ihre Kinder oft mit der Einstellung großziehen das diese selbst nichts tun müssen nach der Schule. Viele Hartz4-Empfänger gehen nun in die 3. Generation. Das ist ein Unding und ein Armutszeugnis für all jene die das Maul aufreissen und immer noch mehr verlangen, anstatt sich an der Entwicklung der Gesellschaft zu beteiligen und wenn es nur durch ein Ehrenamt ist.

Aktuell sind in der Seestadt 2.271 offene Stellen ausgeschrieben. Dies sind nur die Stellen die direkt bei der Jobbörse gemeldet sind. Dazu kommen noch all jene Stellen die über Firmen direkt vergeben werden. Trotzdem behaupten viele es gäbe keine Jobs. Das ist so nicht richtig. Wichtig ist es sich zu bemühen und anzustrengen. Ich sage sogar: Wer arbeiten will, der findet auch eine Stelle. Doch beobachtet man das Klientel auf den Straßen und in den Bussen, so bekommt man so manches Gespräch mit das sich nur darum dreht Arbeit zu vermeiden. Das ist ein Unding. Hier müsste wesentlich stärker sanktioniert werden.

Wer Leistung bezieht, muss Leistung erbringen müsste das Motto sein. Es kann nicht angehen, das Menschen die arbeiten gehen nur geringfügig mehr bekommen als jene die nicht arbeiten und die die nicht arbeiten machen gar nichts für ihr Geld. Jeder der Gelder bezieht muss zumindest einige Stunden pro Woche etwas leisten und sei es nur die Straßen zu kehren oder die Büsche und Wiesen vom Abfall zu befreien – anstatt selbst welchen dorthin zu entsorgen. 

Ernsthaft: Mir platzt der Kragen bei den Forderungen nach immer mehr ohne das man was dafür macht!