Von verschiedenen Religionen lernen und das Beste für sich annehmen

Bremerhaven. Was für eine lange, ja seltsame Reise habe ich hinter mir und dennoch bin ich froh sie absolviert zu haben. Ich bin römisch-katholisch ausgewachsen, immer mit einem russisch orthodoxen Einschlag. Nach der Zeit im Kloster begann die Sinnsuche. Ich bin froh, dass ich mich der Sinnsuche hingegeben habe. Viele Menschen verlieren ihre Spiritualität und den Glauben nach der Enttäuschung durch die Amtskirchen. Amtskirche, ein Wort das schon zeigt wo das Problem liegt: Bürokratie, Verstaubtheit und festgefahrene Traditionen. Ein Graus für so manche. Dazu noch Missbrauch, Verschwendungssucht und Weltfremdheit – das vertreibt die Gläubigen. So manch einer verliert den Glauben dadurch.

Auf der Suche nach Gott, dem göttlichen, sah ich mich im Buddhismus um, studierte das Judentum als Urreligion Jesu und der Wurzel der christlichen Urkirche um letztlich bei der Naturreligion Wicca zu landen. Waren die Erfahrungen negativ? Nein, ganz im Gegenteil: In all diesen  Religionen fand ich eines Gott und den Weg nach Hause in die katholische Kirche. 

Der Buddhismus lehrte mich die Achtsamkeit und den Respekt vor dem Frieden. Die Tatsache, dass es oft besser ist sich selbst zurückzunehmen und auf sein Inneres zu hören. Das Studium jüdischer Gebräuche, Gesetze und Gebote lehrte mich warum ein Lehrer wie Jesus Veränderung wollte und warum wir auch heute Erneuerung in der Kirche brauchen: Der Mensch ist nicht für den Shabbat da, sondern der Shabbat für den Menschen. Regeln sollen und müssen das Leben erleichtern und dürfen es nicht verkomplizieren. Sonst verlieren wir Gott aus den Augen. Im Wicca lernte ich den Respekt und die Liebe für Gottes Schöpfung. Ich lernte aber auch andere anzunehmen wie sie sind und ihnen nicht vorschreiben zu wollen wie sie leben sollen. 

Es tut gut Erfahrungen zu sammeln. Gute und wertvolle Erfahrungen. 

Doch mein Herz gehörte immer Christus und seiner Kirche. Deswegen konnte ich auch wieder zurückkehren in den Schoss der einen heiligen und apostolischen Mutter Kirche. Nur das ich lernte, dass nicht die römische Kirche mit ihren teilweise unchristlichen Regeln (was nicht heissen soll das die vielen guten Diakone, Ordenschristen, Priester und Bischöfe oder der Papst unchristlich sind  – nur das kanonische Recht) meine Heimat sein sollte. ES ist die katholische Kirche, jedoch in meinem Fall die unabhängig-katholische Kirche. Hier ist der urchristliche Geist lebendig und ich finde all die positiven Dinge vor die ich in den anderen Religionen fand und die mich auf den Weg zurück zur Kirche begleiteten. Wobei dies natürlich auch ein Verdienst unseres Erzbischofs ist, der den urchristlichen Geist der Apostel in die Gegenwart trägt.

Ich möchte alle Menschen die oft über andere Religionen schimpfen bitten sich ernsthaft mit dem auseinanderzusetzen was sie kritisieren. Alle Religionen, auch die eigene, haben dunkle Seiten. In der Regel überwiegen die guten Seiten. Das gilt in heutiger Zeit übrigens auch für den Islam. Ich selbst habe noch keinen Moslem getroffen der die oft zitierten Stellen des Korans zur Verfolgung Ungläubiger umsetzt. Ganz im Gegenteil: Jene die gläubig waren, waren immer extrem bemerkenswerte Personen die durchaus eine Berufung verkörpern. Die säkularen Muslime sind zumeist nicht anders als Herr Müller oder Frau Meier von nebenan.

Jede Religion bietet einen reichen Schatz aus dem man schöpfen kann. Wichtig ist nur sich selbst nicht zu verlieren und sich treu zu bleiben. Es ist auch möglich für ich seine Religion zu leben und die Philosophie einer anderen anzunehmen. So gibt es Benediktiner, die zwar katholisch sind aber den Zen-Buddhismus als Philosophie leben. Das ist spannend und sorgt für neue Erfahrungen.  Für mich wird immer die katholische Kirche meine religiöse Heimat sein, jedoch werde ich die positiven Aspekte aus den Religionen die ich studiert habe behalten. Wie bei den ersten Christen: Das Pantheon der Römer und Griechen, Ägypter und Perser sowie die jüdischen Regeln prägten sie. Das prägte das Christentum bis heute: die Mitra der Bischöfe ist ägyptisch, die Messgewänder sind Relikte des römischen Senats, das Abendmahl entstammt dem Shabbattisch bzw. dem Pessachmahl. Das ist wertvoll, denn so sind die Stimmen aller Christen von der Zeit unserer Apostel bis heute im Gebet vereint und rufen gemeinsam Heilig, Heilig, Heilig! 

Vielfalt ist wertvoll – wir müssen nur bereit sein sie anzunehmen ohne uns zu verleugnen.